Oper – aus der Sicht der Zeitepochen

Das Wort bzw. der Begriff „Oper“ kommt aus dem lateinischen „opus“ und bedeutet „Werk“. Auch im italienischen Sprachgebrauch „opera“, dem französischem „opéra“ und dem englischen „operea“ hat es die gleiche Bedeutung – Werk des bzw. eines Komponisten. Seit dem 17 Jahrhundert gewann der Begriff „Oper“ immer mehr Verwendung für vertonte Librettos und seiner Aufführung auf Bühnen. Später „gesellten“ sich zur besseren Gliederung bzw. Charakterisierung der Oper noch die Begriffe ernst (seria) und heiter (buffa) bzw. komisch dazu.

Elemente der Oper

Elemente der Oper sind: der Sprechgesang (Rezitativ), der Sologesang (Arie), das Duett mit zwei Solostimmen, das auch noch um mehrere Solostimmen erweitert werden kann, und der Chorgesang. Des Weiteren nehmen Tanzeinlagen (z. B. Ballett) und Ensembleszenen in der Oper eine wichtige Rolle ein.
Die Wiege der Oper stand in Florenz im Barock, obwohl schon in der Renaissance Wurzeln zu finden sind. Claudio Monteverdis (1567-1643) Oper „L‘Orfeo“ (1607) gilt als die erste Oper.
Im 18. Jahrhundert entsteht in Neapel die „Neapolitanische Opernschule“, was auch eine Verlagerung des musikalischen Zentrums der Oper zur Folge hatte. Die Opernschule vertrat einen, im Gegensatz zur venezianischen Oper, stilistischen Orchesterklang, der voll und farbig „daherkommt“. Während dieser Zeit entwickeln sich auch die zwei Richtungen der Oper „seria“ und „buffa“. Durch die Oper konnte sich in dieser Zeit ein neuer Gesangsstil „Belcanto“ entwickeln, der sich durch Wohlklang, Wärme und Virtuosität auszeichnet und noch heute von den Opernsängern dargeboten wird. Richard Tauber und auch Caruso sind mit diesem Gesangsstil bekannt geworden. Auch entwickelte sich im Zeitalter des Barock der Begriff „Primadonna“ – damit waren die Sängerinnen gemeint, die eine größere Partie in der Oper zu singen hatten, später und bis heute wird der Begriff für Sängerinnen, die die besonders hohe Sangeskunst beherrschen, verwandt. Die Kastratenstimmen, die männlichen Stimmen, die die Reinheit eines Knaben und das Volumen eines Erwachsenen haben, sind eine typische Erscheinungsform der Oper des Barocks; heute werden diese Partien bzw. Rollen in den Opern meist von Frauen übernommen.

Entwicklungen in Europa

Nicht nur in Italien entwickelt sich die Oper, sondern auch in Frankreich, England und Deutschland. Wichtige Komponisten dieser Zeit sind in Frankreich Jean-Baptiste Lully (1632-1687), der am Hofe Ludwigs XIV tätig war und gern mit dem bekannten Dichterfürsten Moliére zusammen arbeitete. Aber auch Georg Friedrich Händel (1685-1759) hinterlässt in dieser Zeit Spuren – er gründet zwei Opernakademien und betreibt in London sein eigenes Theater, wo er erfolgreich mehrere Stücke zur Uraufführung bringt. Händel gilt mit 46 Opern als der produktivste Opernkomponist der Musikgeschichte. Heinrich Schütz (1585-1672) schrieb, nach italienischem Vorbild, die erste deutsche Oper „Daphne“ (Libretto von G. Ph. Harsdörffer).

Klassik in Europa

An den Königs- und Fürstenhäusern Europas wurden Hoftheater eingerichtet, um den Aufführungen der Opern einen geeigneten Rahmen und Raum zu geben. Die Aufführungen an den Hoftheatern konnten auch von der gutsituierten Öffentlichkeit besucht werden. Als erstes öffentliches Hoftheater gilt das in München (1657) und das in Dresden (1667).In der Epoche der Klassik reformierte sich die Oper stark. Hier nahm vor allem Christoph Willibald Gluck (1714-1787) eine starke Rolle ein. Gluck orientierte nun weniger auf Effekte und Wirkung sondern mehr auf Virtuosität und die Konzentration auf das „Wort“ als „Herrin der Musik“. Als Beispiel für die Gluck‘sche Reform sei hier die Oper in drei Akten „Alceste“ (1767) und die Oper „Orpheus und Eurydike“ (1762) genannt, die heute noch an den Opernhäusern aufgeführt werden.

Komponisten

Einen sehr wesentlichen Anteil zur Entwicklungsgeschichte der Oper hat Wolfgang Amadeus Mozart (1756-1791) zum Beispiel mit seinen bekannten und beliebten Opern „Die Zauberflöte“, „Die Entführung aus dem Serail“ geleistet. Mit diesen Stücken ist es ihm gelungen, eine volkstümliche Opernform, wo sich Dialoge und Musikeinlagen ergänzen und unterbrechen, zu entwickeln. Ludwig van Beethoven, der mit „seiner“ einzigen Oper „Fidelio“ sein gesamtes kompositorisches Schaffen unterstreicht, bekundet damit den Ruf nach Freiheit – in der Zeit der Aufklärung.

Romantik

Im Zeitalter der Romantik erhielt die Oper verschiedene Variationen und eine besondere Blütezeit. Komponisten, wie Giuseppe Verdi (1813-1901), Gioacchino Rossini (1792-1868) und Vincenzo Bellini (1801-1835) schreiben Opern, wo menschliche Schicksale und Charaktere im Mittelpunkt der Handlung stehen. Besonders Verdi tut sich mit dramatischen Werken (z. B. Nabucco, Rigoletto, La Traviata, Aida, Othello, Don Carlos usw.) hervor.

Ende des 19. Jahrhunderts

Zum Ende des 19. Jahrhunderts veränderte sich die Oper – die italienische Oper befand sich an einem entscheidenden Wendepunkt – man schaute nach Frankreich und andere europäische Länder, löste sich vom musikalischen Einfluss Verdis und kam zum Naturalismus. Für diese Zeitentwicklung sind vor allem die Oper „Cavalleria Rusticana“ von Ruggiero Leoncavallos (1858-1919) und „Der Bajazzo“ von Pietro Mascagnis (1863-1945) wegweisend. Aber auch „Carmen“ von George Bizet (1838-1875) sei hier genannt.
Anfang des 19. Jahrhunderts entwickeltes ich in Deutschland die Oper, die Sagen und Märchen bzw. romantische Inhalte verarbeiten, bei denen am Ende „alles gut“ wird. Diese Stilrichtung wird als romantische Oper bekannt. Beispiel dafür sind die Oper „Der Freischütz“ von Carl Maria von Weber (1786-1826) oder „Hänsel und Gretel“ von Engelbert Humperdinck (1854-1921).
Richard Wagner (1813-1883) schafft mit seinem Musikdrama ein Gesamtkunstwerk und eine neue Form der Oper, so wie man sie vorher noch nicht kannte. Mit der Oper „Ring des Nibelungen“ setzte er für diese Art der Oper einen Meilenstein; weitere folgten.

Entwicklung im 20. Jahrhundert

Die Oper erfuhr in ihrer Entwicklung im 20. Jahrhundert verschiedene musikalische Stilrichtungen. Wurde die Oper „Der Rosenkavalier“ von Richard Strauss (1868-1949) noch im neoklassizistischen Stil geschrieben, schreibt Arnold Schönberg (1874-1951) in der Zwölftontechnik die Oper „Moses und Aaron“. Carl Orff (1895-1982) hingegen, verwendet für die Werke „Die Kluge“ und „Der Mond“ einfache musikalische Formen. Komponisten wie Alban Berg (1885-1935) (Wozzeck), Paul Hindemith (1895-1963) (z.B. „Mathis der Maler“, „Die Harmonie der Welt“), Benjamin Britten (1913-1976) („Peter Grimes“, „The Turn of the Shrew“) oder George Gershwin (1898-1937) („Porgy and Bess“) verwenden ganz unterschiedliche musikalische Formen für ihre Opern, die von Homophonie und Polyphonie bis hin zum Expressionismus und zur Jazz-Musik reichen.

Foto: Ferenc Szelepcsenyi – Fotolia

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