Operette – Pariser, Wiener und Berliner Stilrichtung

Der Begriff „Operette“ kommt aus dem italienischen Sprachgebrauch und bedeutet wörtlich übersetzt „kleine Oper“. Dabei handelt es sich um eine musikalische Bühnenaufführung mit singspielartigem Charakter. Aus musikalischer Sicht bedient sich die Operette keiner durchkomponierten Form, so wie es in der Oper der Fall ist – zwischen den einzelnen Musik- und Gesangsstücken folgen Sprechdialoge und auch Tanzeinlagen. Die Handlung einer Operette ist meist heiter oder/und auch sentimental.

Schöpfer der Operette

Als Schöpfer bzw. Begründer der Operette ist der französische Komponist Jacques Offenbach (1819-1880) zu sehen. Den Werke „Orpheus in der Unterwelt“ (1858) und „Die schöne Helena“ (1864) gab er den Beinamen Opéras bouffes, da er sie als eine Form der komischen Oper ansah. Diese zwei Stücke sind Heroen- und Götterparodien, die mit satirischer Pointe, die Zeit und die Gesellschaft parodieren und ihm zu Weltruhm verhalfen. Andere französische Operettenkomponisten folgten seinem musikalischen Vorbild. Operetten, wie „Mamsell Angot“, „Giroflé-Girofla“, „Die kleine Michu“ und „Die Glocken von Corneville“ stammen aus dieser Zeit, die mit ihrer liebenswürdigen Heiterkeit und ihrer Volkstümlichkeit die Zuschauer zufrieden stimmten.
Der österreichische, in Wien lebende Komponist F. von Suppé (1819-1895) schrieb sich mit seinen Werken „Die schöne Galathée“, „Boccaccio“ und „Fatinitza“ in die Musikgeschichte der Operette ein. Nun folgte auch Johann Strauss (1825-1899) und schrieb seine unübertroffene Operette „Die Fledermaus“, aber auch „Der Zigeunerbaron“, „Wiener Blut“ und „Eine Nacht in Venedig“ gehören heute noch zum Repertoire der Operettenhäuser und erinnern an die k. und k. Zeit und die Zeit des Walzers. Aber auch „Der Bettelstudent“ von Karl Millöcker (1842-1899) oder „Der Vogelhändler“ von Carl Zeller (1842-1898) erfreuen heute noch jeden Liebhaber der Operette. Die volkstümliche Operette wurde schnell von den Wiener Opern- und Operettenhäusern in die Welt getragen und rief andere Komponisten auf den „Plan“. So konnte Franz Lehár (1870-1948) u. a. mit der Operette „Die Lustige Witwe“ zu Beginn des 20. Jahrhunderts seinen Erfolg feiern.

Elemente der Oper

In seiner musikalischen Arbeit, die sich auf die Operette konzentrierte, versuchte er Elemente aus der Oper in die Operette einzubauen, das heißt u. a. auch, dass er sich von der heiteren Form, so wie sich die Operette bisher darstellte, verabschiedete und sie durch Pathos und opernhaftes Sentiment ersetzte. Die Operette „Paganini“ macht dies besonders deutlich. Emmerich Kálmán (1882-1953) brachte mit der, im ungarischen Kolorit gefärbten Operette „Die Csárdásfürstin“, oder „Gräfin Mariza“ und „Die Zirkusprinzessin“ frischen und temperamentvollen „Wind“ auf die Operettenbühnen.

Oper in Deutschland

In Deutschland, in Berlin, „entwickelte“ Paul Lincke (1866-1946) mit „Frau Luna“ eine Form der Volksoperette, aus der das Lied „Berliner Luft“ zum „Gassenhauer“ wurde. Die Märsche erinnern stark an die preußische Militärmusik. Die Operetten von Walter Kollo (1878-1940) – „Marietta“, „Die Frau ohne Kuss“ verfügen ebenfalls über den Lokalton Berlins und einige der Lieder sind echte Evergreens. Eduard Künneke (1885-1953) gelang es mit seiner leichten und beschwingten Musik die Operette weiterzuentwickeln und rhythmische, revueartige Elemente einzubauen, die Operette „Der Vetter aus Dingsda“ ist Beweis dafür, die auch als Ausgangspunkt des Musicals gesehen werden können.
Andere bekannte Operetten sind u. a. von R. Benatzky (1884-1957) „Zum weißen Rößl“, oder von Fred Raymonds (1900-1954) „Die Maske in Blau“ oder von Robert Stolz (1880-1975) „Die Trauminsel“, um nur einige zu nennen.

Fazit

Es muss festgestellt werden, dass die Operette inhaltlich nicht immer über den sogenannten „Roten Faden“ verfügt, das heißt, oft werden Gesangsnummern revueartig aneinandergereiht. Die Operette in seiner Form, ist nicht nur vom jeweiligen musikalischen Zeitgeschmack sondern auch von der Revue und der Show-Elemente in dieser Zeit abhängig, so dass oft nur einige Schlager aus der jeweiligen Operette „haften“ geblieben sind und sich zu Evergreens entwickeln konnten.

Foto: matttilda – Fotolia

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